Bist du ein Perfektionist?

Postkarte_Perfektionismus

Die menschliche Psyche ist ein spannendes Feld. Das denke ich jedes Mal, wenn ich in die Zeitschrift „Psychologie Heute“ hineinblättere. Toll ist auch, dass man aus vielen Artikeln etwas für sein eigenes Leben ziehen kann, selbst wenn die „Symptome“ nur teilweise zutreffen. Vielleicht geht es euch bei der aktuellen Titelgeschichte zum Thema Perfektionismus ja so. Ich habe heute die Kernaussagen für euch zusammengefasst. Denn in einer Zeit, in der uns das Glück und der Erfolg anderer Menschen ständig über Facebook entgegenlachen und der Arbeitsmarkt die eierlegende Wollmilchsau wünscht, schlägt übertriebener Perfektionismus in unserer Gesellschaft immer weitere Kreise.

Über Pefektionisten:

  • Wir alle neigen zu sozialen Vergleichen. Perfektionisten stellen diese sozialen Vergleiche ununterbrochen an  und schneiden dabei grundsätzlich schlecht ab.
  • Weil sie davon überzeugt sind, dass das Optimum erreichbar ist, kennen Perfektionisten keine Gnade, wenn sie ihre eigenen hohen Erwartungen nicht erfüllen.
  • „Perfektionisten stehen unter der Tyrannei des Sollens und Müssens“ (Karen Horney). Und ähnlich streng gehen sie auch mit anderen um.
  • „Der Perfektionist denkt beim Entwickeln der Skulptur ängstlich: Was werden die anderen denken? […] Er ist ichhaftig, unfrei, kann sich nicht auf das Werk selbst konzentieren, sondern ist auf die Außenwirkung bedacht.“ (Raphael M. Bonelli)
  • Vom Scheitern oder Gelingen hängt das Selbstwertgefühl des Perfektionisten ab. Perfektionisten legen daher eine Maske an, um ihr fehlerhaftes Ich zu verstecken.
  • „Perfektionisten sind angestrengt  sie sind aber auch anstrengend für andere Menschen.“ (Raphael M. Bonelli) Und sie seien häufig verspannt, vor allem im Nackenbereich.
  • Man kommt nicht als Perfektionist zur Welt, sondern man wird dazu gemacht. Das Vorbild der Eltern und ihre Reaktionen auf Leistungen oder Versagen hat das kindliche Gehirn ungeprüft gesammelt und im „Eltern-Ich“ abgespeichert. Damit ist gemeint, dass Betroffene früher nur durch Leistung von ihren Eltern beachtet wurden.
  • „Perfektionismus ist in erster Linie ein ängstliches Vermeidungsverhalten […] Dahinter steht die Panik, getadelt zu werden, kritisiert zu werden […] Angst, nicht zu genügen, nicht zu gefallen.“ (Raphael M. Bonelli)

Zitiert aus: Psychologie Heute Januar 2015, Heft 1, 42. Jahrgang, S. 18-29.

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Die guten Nachrichten:

1. Nicht jede Art von Perfektionismus ist schlecht: „Das gesunde Perfektionsstreben spielt eine wesentliche Rolle in unserem täglichen Leben“, sagt Neurowissenschaftler Raphael M. Bonelli der Psychologie Heute. „Sich hohe Ziele zu setzen ist also nicht prinzipiell verkehrt.“

2. Es gibt bei jedem eine gewisse Diskrepanz zwischen Ist- und Soll-Zustand, man muss nur lernen, sie auszuhalten.

3. Fehler sind menschlich und zwar sehr.

4. Das Credo „Ich bin nur etwas wert, wenn ich etwas leiste“ können wir als blöden Spruch des Leistungsmenschen verbuchen.

5. Perfektionismus ist kontrollierbar.

Praxis-Tipp: Immer wenn der übertriebe Perfektionismus sich wieder einschaltet, ihn erst einmal ganz bewusst als inneren Motor wahrnehmen. Denn wer weiß, „Ach, da spricht wieder mein Antreiber“, der kann die Gedanken im nächsten Schritt als Unsinn entlarven. Dabei hilft es, das Ganze mit Humor zu nehmen und über sich selbst lachen zu können.

6. Es gibt Bücher, die dabei unterstützen, den lebenslangen Kampf gegen den inneren Richter zu meistern und natürlich professionelle Gesprächspartner wie Herrn Bonelli.

Außerdem fragt die Psychologie Heute zurecht:

Perfektionismus_Strategie2Weiterführende Literaturtipps:

Raphael M. Bonelli: Perfektionismus. Wenn das Soll zum Muss wird. Pattloch, München 2014.

Elizabeth Lombardo: Better that perfect: 7 Strategies to crush your inner critic and create a life you love. Seal Press, Berkeley 2014.

Reinhold Ruthe: Die Perfektionismus-Falle … und wie Sie ihr entkommen können. Brendow, Moers 2011 (4. Auflage).

 

 

 

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